Der neue SPIEGEL Nr. 19/2019 bringt ein schönes Streitgespräch zwischen dem Tübinger Oberbürgermeister und dem SPIEGEL-Redakteur, der Palmer Rassismus nachsagt. Palmer hatte zuvor der Deutschen Bahn vorgeworfen, sich durch eine Werbung mit sechs dort abgebildeten Menschen, von denen fünf einen Migrationshintergrund haben, „gegen Kritik zu immunisieren“. Während dies, so Palmer jetzt im SPIEGEL-Gespräch, in der jüngeren Vergangenheit (er nennt das Scharmützel Rützel gegen Amani als Beispiel) dadurch geschehen sei, dass die Kritisierte sich auf die Zugehörigkeit zu einer Minderheit berufe – zur Abwehr einer Kritik, die überhaupt nichts mit dieser Zugehörigkeit zu tun habe, sondern ausschliesslich mit der Qualität der Darbietung, liegt nach Palmer im Bahnfall in abgewandelter Form etwas Vergleichbares vor. Das Unternehmen versuche sich auf die beschriebene Weise als „offenes und tolerantes Unternehmen zu präsentieren“. Perfiderweise (und das ist der Kniff in Palmers Argument) dadurch, dass es zum Beispiel den Fernsehkoch Müller, der im Schwabenland aufgewachsen und so deutsch wie nur was ist, durch den Kontext der leicht zu durchschauenden Werbeabsicht zwinge, sich als Symbol für das vermeintlich Fremde darzustellen. Was wiederum gebraucht wird, um sich selbst von den Fremdenfeindlichen abzugrenzen.
Spätestens als direkt danach Kazim als Erwiderung nichts besseres einfällt, als Aufzuzählen, welche Prominenten und Nichtprominenten („Zigtausende“) Palmer für seine Aussage kritisieren, wird klar, wer hier das völlig überfordete Leichtgewicht in dieser Dokussion ist. Palmer nimmt die Vorlage volley und erledigt Kazim mit dem Hinweis, wer Recht hat, ist der, der die besseren Argumente hat – und nicht die meisten Follower.