Grab schlägt Wolt um Längen

Deinhoff sagt: Wer in Berlin oder anderen Großstädten lebt und den Freunden aus der Provinz von Wolt und Flink vorschwärmt, muss hoffen, nicht auf einen mehr oder minder Weitgereisten unter den Bekannten zu treffen, der den Schwärmer auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Wolt bietet einen im Vergleich jämmerlichen Service, mit zum Teil wirklich unfähigen Kurieren, die unresponsiv sind, sowieso kein Deutsch und meistens unterdurchschnittliches Englisch sprechen und damit kommunikationsunfähig sind. Bei Grab in Thailand können die auch kein Deutsch oder Englisch – aber die App übersetzt natürlich und deshalb kein Problem. Und während man sich in Berlin grün und rot ärgert, weil der Service beschissen langsam ist, der Fahrer den Weg nicht findet oder das Essen verschüttet im umweltfreundlichen aber sofort durchnässten Pappboxen ankommt und man nur durch nachträgliche Reklamation das zu unrecht gespendete Trinkgeld zurück fordern kann, macht Grab das einzig richtige: man gibt Trinkgeld NACH der Lieferung. So wie es Gott gewollt hat. Aber klar: In Deutschland ist Trinkgeld ja gar kein Trinkgeld, sondern eine nicht leistungsbezogene Zuwendung, ein Almosen.

Selbsttest: Woran denken wir Deutsche zuerst, wenn wir das Foto hier sehen:

Genau: „Boaah, so viel Plastik! Geht gar nicht!“

Deinhoff aber sagt „Was ein großartiger Service, innerhalb 15 Minuten da, perfekt portioniert und separiert, mit superfreundlichem Service.“

Worauf, falls so in Deutschland geäußert, natürlich die Antwort käme „und die Ausbeutung der unterbezahlen unversicherten Kuriere ist Dir wohl egal?“

Jemand zischelt dann zustimmend: „Die Dieselmopeds, auf denen sie sitzen und die die Atemwege der Kuriere und Bewohner Bangkoks und das Weltklima zerstören, nicht zu vergessen!“

Deinhoff ruft: Zuerst die großartige, kundenorientierte Serviceidee, dann schrittweise Verbesserungen einführen- und nicht alles vorher verhindern, runtermachen, tottreten lassen von den pathologisch sich selbst hassenden oder sich selbst für Gott haltenden Menschenfeinden!

Jawohl: Und übrigens, Flink braucht man hier nicht, weil Grab das auch bietet. Genau wie Taxiservice. In einer App. Alles in derselben herausragenden, kundenorientierten Qualität.“

Und in der Ferne hört man „Monopolisten! Kapitalisten!“ Aber man schert sich nicht drum.

Hier beugt sich niemand, hier werden Kosten gespart….

…und zwar die, die jetzt überflüssig geworden sind.

So wie die Einführung der Wokeness- und Klimaprojekte nichts mit Wokeness- und Klimasensitivität auf Unternehmensseite zu tun hatte, hat natürlich auch der Stopp nicht mit dem Gegenteil zu tun.

Sondern mit Ertragsoptimierung und Verschlankung an den Stellen, wo Aufwand keine Ertragssteigerung bewirkt, sondern bloß die Marke aus dem Schußfeld nimmt.

Die Auslöschung der großen woken Lüge … lässt auf sich warten

Am 10.11.23 begann ich den Beitrag folgendermaßen:

Im Nachhinein erscheint auf einmal klar, auf welche Weise die woke Bewegung zusammenkrachen würde. Der Antisemitismus war ja schon immer der Überschneidungspunkt mit den Rechten und vor allem der offensichtlichste Fall, in dem der menschenverachtende und unhistorische Wahnsinn der „critical race theory“ offengelegt wurde: die zweitausendjährige Geschichte von Leid und Verfolgung der Juden mit einem Handstreich umzuwandeln in eine erfundene und verlogene Erzählung über Israel als ein Unterdrückerstaat voller privilegierter Superioren. Mit der Konsequenz der Forderung nach De-Kolonisation, was im Falle Israel als vollständige Auslöschung des Staates verstanden werden kann.

Nach dem 7.10. ist das auf eine irreal anmutende Weise offenbar geworden. Jede Institution war aufgerufen, gegen den Terrorangriff Stellung zu nehmen und mit jeder, oft zögerlichen Stellungnahme zeigte sich die widerwärtige antiisraelische Fratze deutlicher. Wie man angesichts der barbarischen Gemetzel einer menschenverachtenden Horrorbande, die mit Ihren Bestialitäten auch noch angibt und sie der Öffentlichkeit präsentiert, die menschliche Schutzschilde benutzt, die ihre Bevölkerung deshalb dazu aufruft, nicht zu fliehen, die ankündigt, ihre Taten zu wiederholen, wie man es also trotz dieser teuflischen und feigen Taten in Stellungnahmen über sich bringt, bewusst eine Relativierung vorzunehmen durch Vergleiche mit dem Leid der Palästinenser, von dem behauptet wird es werde durch Israel verursacht, das kann ich nicht begreifen, das macht mich fassungslos.

Und nicht nur mich. Die alte Linke hüben wie drüben in den USA, distanziert sich oder wird sich distanzieren (müssen), denn die Liberale Einstellung, die den Linken jenseits der stalinistisch maoistischen Betonkopfraktion in die Gene eingeschrieben ist, die ist Todfeind des Antisemitismus und würde sich selbst auslöschen, wenn sie sich nicht vollumfänglich davon distanziert und die Judenhasser davonjagt.

Unterbrochen und dann fortgeführt am 21.6.24:

Deshalb, so dachte ich im November 2023, würde ein großer Mehrheitsblock, bestehend aus dem vernünftige Teil der Linken, den Liberalen und den Christkonservativen die zur Antisemitismusfrage hinter dem Hamasblutbad nur schlingernd und schwurbelnd sich äußernde Wokenessbewegung nach dem 7.10. schnell zu wertlosen Bröseln zermalmen können.

Es ist anders gekommen, nur meine Fassungslosigkeit ist geblieben. Hamas/Hizbullah/Iran haben den besseren Matchplan gehabt, das zeigt sich. Und wie Herta Müller glasklar in ihrem Beitrag in der FAZ vom 3.6.24 feststellt: Israel hatte keine Chance, anders zu reagieren und keine Chance, zu vermeiden, was dann folgte: die absolute Bilder- und Nachrichtenhoheit der Hamas in Gaza und die unüberbietbare Geschichts- und Faktenuninteressiertheit westlicher linker Gefühls- und Wellnessgrüner, führten zu Vorgängen wie dem des Genozidvorwurfs an die Adresse von Israel und der unfasslichen Anerkennung eines (dieses!) Palästinenserstaates durch Spanien, Irland und Norwegen.

Und damit zur Umkehrung der Fakten und der Schuldfrage: Hamas schlachtet Kinder, Frauen, Alte, vergewaltigt, köpft, erschiesst, verbrennt sie. Brüstet sich anschließend mit den unvorstellbaren Gräueltaten, indem sie selbst Videos und Bilder davon ins Netz stellt, verschleppt zusätzlich eine dreistellige Zahl von zivilen Geiseln nach Gaza und hält sie dort unter fortgesetzten Misshandlungen versteckt, viele davon in Wohnungen von Zivilisten in Gaza. Überhaupt ist für mich die längst zweifelsfrei erwiesene, durchgängige Verwendung von menschlichen Schutzschilden das Abscheulichste und gleichzeitig Teuflischste, was die Hamas in Gaza praktiziert. Eine unüberbietbare Grausamkeit am eigenen Volk. Abscheulich, weil sie damit ihr eigenes Volk in den sicheren Tod schickt und teuflisch, weil sie vorab die zu erwartenden internationalen Reaktionen richtig einschätzen. Aus den Schlächtern werden (wieder) die Opfer. Und aufs Neue werden die Blutlügen der Judenhasser nachgeplappert, eine unerträgliche, aberwitzige Ungeheuerlichkeit.

Und die woken Linken in der Politik, auf dem Campus und in dem verkommenen Teilen der Medien in Amerika und Europa tun das, was die Moerder und ihre bösartigen, korrupten, lügenden Helfershelfer vorausgesagt haben: Sie gehen auf die Straße, um gegen Israel und für Palästina zu demonstrieren, gegen die Juden und für die Israelfeinde und deren Helfershelfer, die das Morden, Verschleppen, Vergewaltigen von juedischen Zivilisten billigen und die Schuld für das Sterben in Gaza den Israelis geben. Welch eine horrorhafte Absurdität!! Den Israelis, die die mehr als 200 Geiseln befreien und die die Hamas unschädlich machen wollen, welche sich in unvergleichlich abscheulichem Kalkül hinter dem eigenen Volk verschanzt, den unvermeidlichen Tod unzähliger Zivilisten in Gaza nicht nur hinnimmt sondern ja sogar herbeisehnt, um es dann propagandistisch ausschlachten zu können. Jeder einzelne Tote in Gaza jetzt und am 7.10. in Israel geht zu 100% auf das Konto der Hamas. Niemand anders als sie ist verantwortlich für die Toten auf beiden Seiten.

Diese Demonstranten machen sich in schwerwiegender Weise schuldig, Naivität und Dummheit ist keine Ausrede für dieses verachtenswerte, antisemitische, zynische Verhalten. Unentschuldbar gegenüber den Israelis, den Juden, der Vernunft und der Menschlichkeit.

Spielermaterial

Ich sage das als bekennender AfD -Hasser, der Weidel und Höcke für gefährlich und Chrupalla für mindestens unsäglich hält:

Wenn der Sportmoderator (Breyer) die Fußballexperten (Mertesacker und Kramer) bittet, auf das zuvor geäußerte Wort „Spielermaterial“ zu verzichten, „weil Menschen kein Material sind“, dann möchte man rufen: “Was erlauben Breyer?“

Auch die schärfste Wortpolizei müsste doch zugeben, dass

– das Gesagte korrekt nicht-gegendert war (weil nur Kerle),

– kein Bezug zu brauner Soße wie „innerer Reichsparteitag“ vorlag und auch

– keine sexistischen oder rassistischen Botschaften im Begriff versteckt waren.

Warum also dazwischen fahren? Spielermaterial ist nicht dasselbe wie Menschenmaterial, bei dem letzteren Begriff geht es tatsächlich darum, Soldaten wie Kanonen, Munition oder Panzer als Kriegswerkzeug anzusehen und sie insofern mit toten Stoffen gleichzusetzen. Heißt zwar noch längst nicht, dass Stahl und Mensch im Hinblick auf irgendeinen immateriellen Wert gleichgesetzt werden – aber gut.

Jedenfalls ist ein Spieler kein Soldat und er wird auch nicht im Einsatz sterben wie ein Soldat auf dem Schlachtfeld.

Das ist ein Bild, so wie die Torkanone nicht wirklich Kugeln feuert, der Bomber der Nation nicht bombt und das Abwehrbollwerk auch keine Festung ist.

Fertig.

Finis Jamaica

Finis Jamaica

Deinhoff sagt: Kommt meine Frau zu mir und hält mir einen TED Talk über TShirts vors Gesicht: Wasserverbrauch! Ausbeutung! Chemikalien! Im Namen der Gerechtigkeit und der Gesundheit: Kauf weniger TShirts und trag sie zweimal, bevor Du sie wieder wäschst!

Halt ich ein Schild hoch: Im Namen der Freiheit! Ich wasche trotzdem nach einmaligem Tragen, denn ich will nicht stinkig ins Büro!

Luhmann meinte das wohl, als er von der Notwendigkeit und Unverzichtbarkeit von Normen bei gleichzeitiger Kontingenz sprach.
Und das ganz aktuelle Problem, dass Parteien heute nur Schilder mit „Wertelisten“ hochhalten, statt sich mit dem eigentlichen Problem, nämlich der politischen Lösung von Wertekonflikten zu befassen, das hat er bei der Gelegenheit (vor fast 25 Jahren) auch glasklar benannt.
Womit wir bei Jamaika wären und zumindest einen Grund schon herausgepult hätten, warum das so kam. Niemandem könne vorgeworfen werden, zu seinen Prinzipien zu stehen, so Lindner. Eben doch, denn zu den Prinzipen stehen (aka Schilder mit Wertelisten hochhalten, z.B. Digitalisierung first, Bedenken second oder Löhne rauf, Mieten runter oder Bienenschutzbekenntnisse a la KGE oder beliebige andere), das ist noch keine Politik, danach fängt Politik erst an. Es sei denn, man versteht sich nicht als Partei, sondern als Moralische Instanz. Rinks wie Lechts. Dabei wäre es hochinteressant, von der FDP erklärt zu bekommen, wie sie den drohenden Widerspruch zwischen Digitalisierung und Freiheit des Individuums und der Wirtschaft (s. Jack Ma’s Einlassung zum Thema Digitalisierung und Planwirtschaft) auflösen will. Und von den Linken, ob sie alternativ zur Enteignung noch andere und besser mit unserer freiheitlichen Rechts- und Gesellschaftsordnung vereinbare Methoden zur großflächigen Umverteilung kennt. Ganz zu schweigen von der Frage, wie das Bienen-, Vogel- und Schmetterlingsrecht ohne Diskriminierung der lobbylosen Tierarten umgesetzt werden kann.

Volksentscheid – Ergänzung

Sehr gut als Entgegnung auf die Dauererregten der „Direkte Demokratie“-Bewegung, die immer wieder die Schweiz (gähn) als Vorbild anführen:
Das kurze Interview mit H A Winkler in der NZZ.
Wir haben im Gegensatz zu CH keine Konkordanzregierungen, wir haben das Misstrauensvotum, wir haben sowas wie den Schweizerischen Bundesrat nicht – wir haben schlicht ein anderes Regierungssystem.
Außerdem sehr schön an diesem Interview: Die Erklärung, warum die Deutschen so moralbesessen sind – nämlich weil sie schwachsinnigerweise denken, sie könnten damit ihren Ruf als Schreckensnation endgültig wieder los werden. Typsch deutsches Strebertum: erst wollen wir die weltbesten Unanständigen sein, dann die weltbesten Anständigen. Wir können nur entweder oder. Total digital. Deshalb wäre Deutschland eigentlich auch so weltbestgeeignet als Informatik-Standort. Doof nur, dass Digideutschland sowas wie IT und AI längst in die Schublade Unanständig geworfen hat. Gab ja nur Anständig als Alternative. Und anständig kann das ja nicht sein wegen Google! Uber! Elon Musk! und überhaupt: Amerika!

Podiumsdiskussionen, Demokratie, Wahl, Medien, Moral

Podiumsdiskussion in der Zwingli-Kirche. Carsten Koschmieder von der FU Berlin, Fachbereich empirische politische Soziologie. Unaufgeregt, sachkundig, bisweilen blitzt ein feiner Humor auf. Sympathische I-Dont-Care-Frisur.
Gabriele von Arnim, Grande Dame des Journalismus oder so, Buchautorin auch, eine Großbürgerlichkeit ausstrahlend, die nur sehr selten durchweht wird von einer abweisenden Unnahbarkeit, einem Hauch Arroganz. Vielleicht kommt mir das auch nur so vor, weil sie mich an Gertrud Höhler erinnert, auch äußerlich. Irgendwie denk ich mir die immer in Reithose und Tweedjacke. Passt jedenfalls auch zu GvA. Typ Patek-Philippe-Generationen-Werbung, die schneidig-strenge Großmutter. Scheint sich selbst jedenfalls schon ziemlich ok zu finden.
Daneben der Konterpart, Harald Welzer, findet sich auch ziemlich ok, gibt aber den kumpeligen Biertrinker und im Folgenden öfter mal den Tina-Mendelsohn-Piesacker, das ist die Moderatorin, sympathisch und vielleicht nicht 100% interessiert an dem Thema, im Verlauf der Diskussion aber wiederholt von Welzer angeschnappt zu werden, hat sie nicht verdient. Was soll das auch, in einer Podiumsdiskussion im Jahr 2017, wo es ums Wählen als Bürgerpflicht geht, die AfD „ignorieren“ und nicht über sie sprechen, wie Welzer es fordert. Ich mein, theoretisch schon klar. Warum denen eine Bühne geben und warum – Welzers Kritik – presseseitig so hysterisch auf Gaulands jüngste Äußerungen reagieren statt sie gar nicht zu beachten. Und erst recht: warum diese Leut‘ interviewen und das dann unkommentiert ins Blatt stellen. Stimmt. Müssen die nicht, tun die aber. Warum?
Ende Bericht der Diskussion und anfang Meinungsabsonderung: Vielleicht weil die führenden Zeitungen und Sender sich allesamt als pädagogische Leitmedien sehen, die einen Erziehungsauftrag am Volk exekutieren müssen. Und nicht als Einrichtungen, die links oder rechts oder wirtschaftsliberal oder gewerkschaftsorientiert oder so was sind. Die könnten dann einfach sagen, schleich di, Du Sauhund, über Dich schreib i nix. Oder die könnten sagen, wenn ich mir jetzt nur das Wirtschaftsprogramm der AfD angucke, also, besser als bei den Linken ist das schon. Geht aber nicht. Weil, AfD ist gesamthaft böse – als Partei und als Mitgliederblock und sogar schon als Buchstabenkombination- und das muss immer klar sein und vorne hinten oben unten drumrumgeschrieben werden, damit keiner auf die Idee kommt, man hätte grad die AfD inhaltlich gelobt. Und weil die Medien sich eben genau so verhalten, haben es die clevereren Typen der AFD so leicht. Keiner von denen kann gut reden, geschweige denn argumentieren,alles amateurhaftes Stammeln. Also einen Charismaten haben die wirklich nicht. Brauchen sie aber nicht, weil die dämlichen deutschen Oberlehrerleitwertemedien jedes hingeworfene Stöckchen glauben apportieren und mit „Demokratiegefährdend! Rassistisch! Sexistisch! Faschuistisch! Menschenverachtend!“ markieren zu müssen. Irgendwann lernt diese Methode auch der dümmste AFDler. Und wenn dann noch die von mir eigentlich geschätzte Grüne KGE das mit der Moral als Standortfaktor ruft, dann ist natürlich der Ofen ganz aus. Damit wirft sie jahrhundertelange Arbeit der Politischen Theorie über den Haufen. Deren Errungenschaft war ja unter anderem, die Politik aus dem Würgegriff der Moral zu befreien. Platon’s Philosophenkönige waren eben nicht der cleverste Einfall. Nicht die weisesten und besten der Guten sind auch gleichzeitig die besten Politiker. Pustekuchen.
Wer Politik durch Moral ersetzt, macht sich handlungsunfähig. Wer apodiktisch einen Standpunkt als unverhandelbar in die politischen Verhandlungen einbringt (wir gehen nur in die Regierung, wenn „Ehe für Alle“, „Dieselverbot“, „Obergrenze“ etc. whathaveyou) – und es auch noch genauso meint! – der tötet die jahrzehntelang erfolgreich in Deutschland erprobte politische Methode in der Demokratie. Das Ziel des politischen Handelns ist SCHRITT FÜR SCHRITT Verbesserungen herbeizuführen. Durch Schließen von Kompromissen und ergo durch Abweichen von den eigenen Startstandpunkten und Annäherung an den anderen Standpunkt. Das ist etwas ganz anderes als Politk als unbedingtes Durchsetzen des moralisch Gebotenen oder das Verhindern von Entscheidungen, die keine Win-Win-Win-Win-Situationen erzeugen. Die Folge: Ich kann mich nur enthalten, wenn es darum geht zu entscheiden, welche Seite ich in einem Bürgerkrieg zwischen IS- und Assad-Truppen unterstütze. Weil, ich würde so oder sorum die Bösen unterstützen. Blöd nur: Tu ich nix, mach ich mir die Haände eben auch schmutzig, denn dann geht der Krieg weiter und mehr unschuldige Menschen sterben wegen meiner Haltung. Man sieht: diese Vorstellung von Politik ist schwachsinnig und gefährlich.
Wer will sowas? Politik geht anders und nur weil Politiker sich die Hände schmutzig machen, funktioniert sie.
Wo war ich? Genau. Zurück zur AFD und den Medien. Der falsche Umgang mit der AFD ist der der moralischen Empörung. Aber genau diesen Grundton pfeifen die Medien, nicht nur Ard und Zdf aber da regts den Gebührenzahler natürlich besonders auf. Mit Moral (welcher eigentlich?) an der Seite gegen die AFD zu argumentieren, ist kläglich, weil „Moral betrifft nie Deinen Nachbarn“, wie der kluge Franzose Alain sagte. Dem Anderen fehlende Moral vorzuwerfen, macht einen selbst nicht moralisch. Sondern zum Moralisierer. Eine fragwürdige Position für die Medien.

Böhmermann Folge 8

Durch die ganze Sendung zieht sich leider ein Geruch von „HierdieGutenCoolen,dadieSchlechtenUncoolen“. Stirnrunzeln beim Vergleich linke Gewalt-rechte Gewalt („es gibt Hass auf beiden Seiten“) des Ex-Nazis, erleichtertes Gejohle bei Alkoholnachschenken und Beischlaferzählung der Feministin. Olli Schulz hat Recht, das Sexuelle ist viel leichter zu entgrenzen als das Rechte (so habe ich seinen Kommentar jedenfalls verstanden, vielleicht überinterpretiert). Jenny Elvers als zu behütende Naive hatte es deutlich einfacher als der Totschläger von Rechts. Nickende Akzeptanz statt Diskussion bei einigermaßen steilen Thesen von Stokowski (links/rechts-Gewalt ist asymmetrisch verteilt, es werden nicht dauernd durch Linke Häuser angezündet, es ist eine Zeit, wo rechte Gewalt eine massive Bedrohung ist…. ok, die Aufzeichung der Sendung war vor den G20-Ereignissen in HH aber womöglich wäre der Satz im anderen Fall nur mit dem Auftakt „natürlich ist die Gewalteskalation in HH zu verurteilen, ich glaube aber beide Seiten hatten Anteil daran und eines ist für mich auch klar: es gibt keine Gleichverteilung von linker und rechter Gewalt, es ist eine Zeit, wo rechte Gewalt eine massive…“ usw. usf. versehen worden).
Insgesamt eine Runde, deren brav-törichte sozialgrünfeministische Einwürfe von Eckhard Henscheid früher chirurgisch genau und tödlich aufgeschlitzt worden wären aber jetzt ist der auch schon 75 und wenn man ihn in so einem Zusammenhang anführt, dann beruft man sich auf jemanden, der nach den Junge-Freiheit-Interviews schon längst auf die falsche Seite gesetzt worden ist und man deshalb mit einem „Ach, der Henscheid mit den Interviews im NeoRechtenBlättchen? Nee klar!“ bedacht worden wäre.
Wie komm ich denn eigentlich auf Henscheid jetzt? Ahja, weil ich irgendwann an Böhmermann-Erdogan gedacht habe und mich dann an Henscheid-Böll und Henscheid-Höhler erinnert habe. Andere Zeiten, Henscheid verlor krachend die Prozesse, seine Beleidigungen gefielen mir aber besser, weil weniger überdreht und comedyhaft als vom B’mann, sie kamen mir weniger auf Wirkung zielend vor, sondern mehr aus einem souverän-echtem Überlegenheitsgefühl heraus rausgehauen.
Und wie hätte er Claudia Roths Auftritt genüsslich runtergeputzt, verputzt, zerkaut und ausgespuckt: Dieses aberwitzig dämliche, arrogante, besserwisserische „Unpresidented“ Pullishirt hätte sich aus Angst vor Henscheids ätzender Häme lieber gleich selbstentflammt. Aber so? Gibt sie mit diesem Shirtspruch ein verdammenswertes, grundekelhaftes, in der ganzen Runde aber unwidersprochenes Bekenntnis zu einer überlegenheitsstatusbesoffenen Moralelite ab, die sich gegenüber den schamlosen und dummen Rechten so ziemlich alles erlauben kann – auch wenn sie selbst viel schamloser und dümmer auftritt.
Und so wird aus dem ganzen Talk auch wieder nur ein Austausch von bekannten Ansichten, zum Teil illiberal, zum Teil spießig, zum Teil albern (Stokowski sagt zu dem Rechten irgendwann so etwas wie: könntest Du Dir statt Priestertum vorstellen, dass eine geile queerfeministische Gruppe Dich aufnimmt?).
Die Moderatoren laufen nur dann so richtig zu großer Form auf, wenns ums Pflöckeln geht. Bei Zehenlutsch- und Bettlangeweilediskussion ists heiter-aufgeräumt-ausgelassen aber bei den ernsten Themen ist da eine überraschend verkrampfte Atmosphäre, besonders bei den Moderatoren. Die waren dann auch eiligst ganz vorn dabei, wenns darum ging, unabhängig von den Tatsächlichkeiten Gesinnungen nachzuspüren, vorfällig Etiketten anzuheften werden und dann nach Bestätigungen zu schnüffeln. Olli Schulz glaubt aufgrund von verdächtliger Wortwahl dem Rechten nicht seine Loslösung vom Rechtssein, denn der beharrt ja darauf, dass Linke ihn töten wollten, so wie er sie, dass es gegenseitiger Hass gewesen wäre. Die Runde macht „OhOh, also, naja, hömma! Relativierung!, Relativierung!“. Dass er Priester geworden ist und in der Jugendhilfe akitv ist ja egal denn was sagt er? Ohoh, die Rechten seien ja nur eine kleine Gruppe in der Gesellschaft, verschwindend gering, 20.000 oder so – und da ists passiert. Tataaa! Olli Schulz zieht die Braue hoch, die bei Böhmermann die ganze Sendung über sowieso dauererigiert zur Studiodecke zeigt. Denn damit hat der rechte Doch-Nicht-Renegat sich verraten, enttarnt und die Gesinnungsdetektive sind froh, weil fündig geworden und fürderhin ist der Rechte wieder da wo er hingehört, an der Wand.+
Und der Rest der Sendung?
Rauchen super subversiv, Saufen cool, Trump Scheiße finden sowieso gut und Nationalgefühl, hahahaha, keine Ahnung was das sein soll – aber mit Europa-Pass natürlich sofort alles gut – moment, heisst das, dass dann für Stokowski offiziell die Griechen klasse aber dann jetzt die Chinesen Sauhunde wären oder was?
Ach so, nee, also Weltpass wäre schon noch superer usw.usf., gähn, schnarch, so kriecht der Talk unendlich langsam im Neospießerjargongesprächssumpf seinem Ende zu.

Der unbescholtene Bürger

Günther Anders hat darauf hingewiesen:
Das Instrument zur Überwachung ist schon seine Benutzung.
Ein Bankvorstand erzählte mir lachend bei einer Abendveranstaltung, dass er jetzt am Telefon einige Worte nicht mehr sagt. Bombe oder so. (Lacht) Natürlich sei er als Vorstand sowieso extrem vorsichtig. Natürlich würde er auch sonst nicht irgendwelche Dinge machen, die nicht sauber sind, also jetzt unabhängig vom Posten schon und so aber (lacht) man wird eben trotzdem noch vorsichtoger um gar nicht erst in Verdacht zu kommen (lacht) also ich meine in Aufmerksamkeit und so. (Lacht)

Anders hatte Recht. Und umso mehr als offensichtlich selbst nicht alle Bankvorstände es verstehen.
Die Möglichkeit der Überwachung ist schon totalitär. Denn es verändert das Verhalten.

Ministerin Schwesig auf Mission

„Es ist legitim und notwendig, dass Politik die Menschen emotional berührt.“
Ministerin Schwesig heute im SPON Interview.
Deinhoff sagt: Verzeihung aber dieser Satz ist peinlicher Politikerjargon und sprachlich so versemmelt wie inhaltlich banal.
Frau Schwesig scheint ihre Wähler tatsächlich dort zu suchen, wo nur SOUND zählt und dieser SOUND irgendwie nach Gerechtigkeit, Antidiskriminierung und Empathie klingt. Überprüfung des tatsächlich Gesagten auf Klarheit, Einfachheit und inhaltliche Relevanz scheint sie jedenfalls nicht zu fürchten.
Apropos Empathie: Die Ministerin stellt etwas weiter unten im Interview fest, dass in der Politik Fakten nicht ausreichten und es – na klar – Empathie brauche. Abgesehen davon, dass ich den Unterschied zwischen Empathie und Mitleid nicht sehe: Wie soll ich das verstehen, dass Politiker Empathie brauchen? Mal auf andere Berufsfelder übertragen würde es bedeuten, dass eine Onkologin mich nicht eindeutig, sachlich und verständlich über meinen Stadium IV Krebs informieren, sondern sich in meine Situation hineinfühlend und meine Gefühle auf nachempfindende Weise verstehend äußern sollte? Wie würde sie das können, sie kennt mich nur oberflächlich und beruflich und zudem hätte sie meinen Krebs ja nicht, sondern ich hätte ihn. Ich würde mir heftigst verbitten, dass so eine Fremde sich in solch durchschaubarer Absicht an mich ranschmeisst oder – noch schlimmer – in echte Mitleidstränen ausbricht.

Und als Politiker? Ich stelle mir Manuela Schwesig vor, wie sie am Bettler in Berlin vorbeigeht, empathisch und damit mitleidig ist und dann reagiert wie man eben reagiert, wenn man Mitleid hat: Sie gibt ihm einen Euro.
Dann erinnert sie sich daran, dass sie Politikerin ist, also gesellschaftlich flächendeckend mitleidig zu sein hat, geht zurück in Ihr Regierungsbüro und dekretiert, man möge in ganz Deutschland die Anzahl der Suppenküchen verdreifachen.
Wenn es das ist, was wir bekommen, wenn wir mehr empathische Politiker haben, dann kann ich darauf verzichten. Empathie ist gut gemeint – aber gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht, lautet ein weiser Spruch.

Zum Thema empfehle ich Paul Bloom: Against Empathy. The Case for Rational Compassion.

Digitalisierungsstörung

Die Kassiererin, die Du nach einem Geschäft/einer Sehenswürdigkeit/einem Ort gefragt hast und die dann ihren Platz verlässt und Dir hinterher läuft, weil Du trotz ihrer Auskunft in die falsche Richtung gegangen bist.
Eine Funktion, die self scanning Kassen nicht haben können.

Kontingenz

Deinhoff sagt:
Der Kausalitätswahn wird immer schlimmer:
„Johan Cruyff hat Lungenkrebs“
„Hat der geraucht?“
„Ja“
„Na dann“.
Es gibt eine Wahrscheinlichkeit, dass er wegen des Rauchens Krebs bekommen hat. Aber eine Gewissheit gibt es nicht. Ist das überhaupt noch jemandem klar? Mindestens 10% der Lungenkrebskranken haben nie geraucht. Schlingensief zum Beispiel. Schon vergessen?
Aber in Zeiten von Big Data und Big Säkularisierung wird man als Wahnsinniger bezeichnet, wenn man Pech, Schicksal, Fügung, Gnade als mögliche Begründungen für Erkrankung oder Gesundung anführt.

fdp dasdingrocken

Gestern Abend kurz überlegt, dem katholischen Flügel der fdp beizutreten – wegen Netzpolitikhilflosigkeit der Regierung und der Parlamentarier und wegen des Freiheitsdings – dann grad die gemeine, tolle Einleitung von Moritz von Uslar zu seinem Interview mit Katja Suding gelesen – und mich für gestern Abend geschämt. Niemals. Niemals. Niemals! Oder mit MvU: „Das ist schon ganz, ganz, ganz entsetzlich.“

Miu Miu

Deinhoff sagt: Die Ossifizierung Deutschlands und die Fundamentalisierung des Rests der Welt haben dazu geführt, dass die Verteidigung der Freiheit ungefähr so populär geworden ist wie Investmentbanking.
Scheiß auf die Aufklärung. Wenn 22-jährige Models auf einem Foto in Gehirnen von Irgendwem für Kinder gehalten werden und das Setting erotisch verstanden werden könnte, dann muss das reichen für ein Bilderverbot. Warum? Tja, gute Frage. Die Antwort, Moment, ich les grad nach, ahja, die Antwort ist bzw. scheint zu sein, so klar wird das nicht, dass das sexuellen Missbrauch fördert. Indirekt. Also, ein Mensch guckt sich das an, dann wird er dadurch erotisiert und läuft zur nächsten Schule, um Mittelstuflern aufzulauern. Vielleicht passiert das, vielleicht auch nicht, ist auch egal, aber die Möglichkeit dass das passiert, ist ja auf jeden Fall gegeben, also weg mit solchen Bildern, die geeignet sind, Missbrauchsfantasien zu erzeugen.
Das ist so schräg,dass ich lieber gar nicht daran denke, was man mit solch einer Argumentation noch alles verbieten lassen könnte.
Wenn sowas Schule macht, dann sind wir bald nicht mehr weit entfernt von der Burkapflicht für alle Frauen bis 35.

Das Maas ist voll. Maaslos.

Deinhoff sagt: Früher war die Verbraucherschutzministerin für populistische Schwachsinnsentscheidungen zuständig,
jetzt ist es der Justizminister mit seinen vollkommen irren Äusserungen zur Googlezerschlagung und dem Gesetz gegen Nacktfotografie.

Liberalismus und Donald Sterling

Donald Sterling ist der Eigentümer der Los Angeles Clippers, eines mäßig erfolgreichen Basketballvereins der NBA.
Er ist 80 und Milliardär.
Seine Freundin ist Mitte 30.
Und die hat eine – so schreibt die Presse- private Unterhaltung unter vier Augen mitgeschnitten. Ohne sein Wissen.
Er macht dort rassistische Äußerungen.
Der Mitschnitt wurde auf TMZ veröffentlicht.

Der NBA Comissioner Adam Silver verhängte daraufhin:
1.) Eine Rekordstrafe für D.S.: 2,5 Mio Dollar.
2.) Eine lebenslange Sperre, d.h., D.S. darf nie wieder NBA Spiele besuchen
3.) Er wird zum Verkauf der Clippers „gedrängt“.

Ok, er ist Rassist, hab ich verstanden. Ein Großarsch. Soweit, so mies. Aber:

Fingerheb:

Eine private Unterhaltung unter 4 Augen. Mitgeschnitten ohne sein Wissen. Keine öffentliche Meinungsäußerung. Und dann DIESE Sanktionen.

Sind denn alle verrückt geworden?

Was, wenn er einfach nur vor sich hin murmelnd seine Gedanken geäußert hätte? Mach ich auch manchmal. Kaum ein Unterschied. Ich dachte, die Gedanken sind frei!

Adam Silver hat sich sicher beraten lassen: Wenn Du da nicht drakonisch reagierst, wirst Du selbst als Rassistendulder in Bedrängnis kommen.

Donald Sterling hat sich sicher beraten lassen: Klar ist das rechtswidrig. Aber wenn Du jetzt ein großes Faß aufmachst, stehst Du noch mehr in den Schlagzeilen und das willst Du nicht.

Ich könnte kotzen. Das ist das Ende der Freiheit, nichts weniger als das.
Political correctness ist ein zu schwacher Begriff für diese Katastrophe. Wenn mir ein besserer einfällt, schreib ich ihn hier hin.
Wenn die Moral als politischer Gradmesser endgültig gesiegt hat, dann kommt der Nazi-Blockwart wieder.
Prima Sache.
Ich aber hau ab hier.