Die Annahme, dass unsere Wahrnehmung der Welt das Ergebnis einer Konstruktion ist, die wir auf Basis der mit unseren Sinnen aufgenommenen Signale in unserem Gehirn vornehmen, heisst NICHT, dass Fakten (nach wissenschaftlichen Regeln validierte Annahmen in der Forschung —> Wissen) soziale Konstruktionen sind. Wahrheit ist ungleich wissenschaftlich validierte Annahme. Die Ablehnung von Wahrheit durch die Postmodernisten bezieht sich aber genau auf die Ablehnung der Möglichkeit wissenschaftlicher Erkenntnis insgesamt zugunsten durch Machtsysteme installierter Narrativen, die erfolgreich einen Wahrheitsanspruch für sich reklamieren. MaW sei, was wir wissen können, stets abhängig von dem System, das die Macht hat, das Wissen zu bestimmen.
Vor allem die negative Konnotation des Begriffs Macht bei den Postmodernisten weist über die Beschreibung des Zustand hinaus ins politische. Es gilt, die Machtkonstruktionen zu durchschauen und zu sabotieren.
Postmodernismus ohne politische Agenda gibt interessante Einsichten im Hinblick auf unser Verständnis von Sprache, Wissen, Wahrheit, Macht, Systeme.
Man ergänze Luhmann, der explizit keine politische Agenda hatte und damit Habermas ärgerte.
Oder Heinz von Förster, der dem konfrontativen Widerstand gegen eine nach Auffassung der Postmodernisten überall sich manifestierende Unterdrückung der Ohnmächtigen die wunderbare Metapher des Tanzes entgegenstellt: Gemeinsam Schritt für Schritt sich aus gegenseitigem Unverständnis hervortasten, langsam und immer wieder sich korrigierend, bis ein Miteinander entsteht, das schließlich in einen koordinierten Tanz mündet, in dem beide zeigen, dass sie durch Aufmerksamkeit, Empathie und viel Übung gelernt haben, sich zu verstehen und bestehende , womöglich große (kulturelle, ideologische, biologische etc.) Unterschiede zu überwinden.