Hausen

Mein Heim ist eine Höhle. Es ist warm, dunkel, riecht nach mir und überall um mich herum sind beschützende Wände nah. Dieses Konzept verstehe ich und halte es für natürlich.

Besuche fremder Heime beunruhigen mich. Die Hausherrin führt mich durch tür- und wandlose Räume, redet von Blickfluchten und weist auf die durchgehende Lichtdurchflutung hin, auf die besonders Wert gelegt worden sei beim Bau. Und es stimmt: Überall Glas statt Aussenwand, ich fühle mich wie nackt und im Scheinwerferlicht mitten in der Steppe stehend. Es ist eine Tortur und es wird bei der anschließenden Gartenbegehung nicht besser. Wo eben noch Grenzenlosigkeit als oberstes Prinzip herrschte, gilt hier Einhegung und Sichtschutz als vornehm. Alles erinnert an die Naturgestaltung in Modelleisenbahnlandschaften. Ausgerollte Rasenbahnen und einsame Setzbäume gibt es nicht mehr in diesen Heimen aber die gartenarchitektonische Anordnung wirkt genauso unbehaglich und hingestellt wie die Wohnlandschaften im Innern.

Es ist im übrigen keine gute Idee, der Hausherrin auf die Frage, ob das besichtigte Heim denn gefiele, ehrlich zu antworten, dass es super als Kulisse für Pornodrehs passen würde.

Schöner wohnen in der klassischen Moderne

Rechte Winkel und gedeckte Farben in Wohnungen, in denen die Einrichtung das Wichtigste ist und der Bewohner nur Dekoration.
Dekorierende Personen müssen schön sein und sich schön bewegen, Stilvolles tun und sagen.
Dann hat der einrichtungsverantwortliche Mensch das Gefühl, mit dem Partner eine gute Wahl getroffen zu haben, weil er so gut zur Wohnung passt.
Er darf allerdings mit Turnzeug nicht durchs Wohnzimmer laufen.

Der Maler Jan Massys und seine Flora

Der Maler Jan Massys und seine Flora

Alle Frauengesichter, die er gemalt hat, sehen seltsam ähnlich aus. Das hat auch einen Grund. Denn er war ganz, ganz lange sehr, sehr verliebt in eine bildhübsche Genueserin, die hieß Flora Gelosi. Sie war Schauspielerin und sie muss wirklich ungeheuer schön gewesen sein und er wirklich sehr verliebt. Dramatisch verliebt. Und selbstredend unglücklich, denn er war ein ziemlich armer Künstler, in prekären Lebensumständen quasi, wogegen sie mit einem reichen Kaufmann liiert war. Von dem konnte ich kein Bild und keinen Namen recherchieren, aber ganz sicher ist er fettleibig, warzig, rotgesichtig und 20 Jahre älter als sie gewesen. Eine reine Versorgungsbeziehung also, da scheint die gute Flora recht unschwärmerisch veranlagt gewesen zu sein.
Judith (s.o.). Immer wieder Flora. Die schönste Flora ist seine Bathseba:

Armer Jan. Mehr als eine Äffäre hat er nie mit ihr hingekriegt.Irgendwann später hat er sich auch umgebracht. Drama eben. Und der Bezug zu Batseba: Vielleicht hat er sich ja gefühlt wie der arme Urija, der ja eigentlich mit Batseba zusammen war, jedenfalls bis David, der König von Juda, die Schöne gesehen hatte. So ein King, zumal einer mit flaviobriatorinischer Libido, riecht da einfach mehr nach Abenteuer, Shoppingorgien und dem Ende aller Altersvorsorgeprobleme als andere. Das war vor 500 Jahren auch nicht anders als heute.