Livestreambäckerei

Meine Mutter lebt in einer kleinen Gemeinde in der Voreifel.

Auf dem Dorfplatz steht vorschriftsmäßig eine Linde, die das morgendliche Geschäftstreiben in der kleinen Bäckerei an der Ecke beschirmt.

„Guten Morgen“

„Guten Morgen, Augenblick, bin sofort da, ich muss hier hinten die Anlieferung noch auspacken, das will die Chefin, dass das immer sofort passiert, bin aber gleich fertig und dann sofort da. Oh das ist aber schwer aufzukriegen, das dauert noch nen kleinen Moment ja, Entschuldigung ich muss das hier auspacken.“

„Ok“.

Gott liebt alle Menschen und das Prinzip der Nächstenliebe fordert uns Christen nachdrücklich auf, uns stets an seinem Vorbild zu orientieren. Und deshalb will er, dass ich auch die Bäckereifachverkäuferin liebe. Und nicht umbringe. Wozu ich Lust hätte. Sie streamt ihre Gedanken live und jeder der online, d.h. in diesem Fall in der Bäckerei, ist, muss das über sich ergehen lassen, wenn er nicht offline geht, also ohne leckeres Doppelröggelchen den Laden verlässt. Unmöglich, zu diesem Stream-of-no-thought den eigenen, süß-trägen Morgengedanken nachzuhängen. Unmöglich, irgendwas zu denken.

„So, jetzt aber, ich muss das aber wirklich machen, bin ich froh, dass ich das jetzt hinter mir habe, die Chefin will das so, was darfs denn sein, bitte?“

„Ein Doppelröggelchen bitte“

„Gern, kommt da noch was dazu wir haben noch lecker Ardennerbrot, nein, ok, danke, moment, ich muss die Artikelnummer hier, ja, so, 95 Cent, die sind auch lecker, haben Sie‘s klein, oh super, ja, danke, ebenso, Tschö!“

Und die Linde beschirmt weiter die Eckbäckerei in der Frühlingssonne und ward mit knapper Not nicht Zeuge eines Mordes aus Fassungsverlust.

Gutes Essen – und sonst nix.

Das New Arirang in der Warschauer Strasse ist mein Lieblingskoreaner und mein zweitliebster Asiate überhaupt in Berlin. Und nicht trotz des Ambientes, sondern WEGEN desselben!
Ein besseres Anti-LeuteDieIrgendwasMitStartUpsMachen-Mittel als eine kalte Schlachtereibeleuchtung, dreckige, bratfettlaminierte Möbel und laut palavernde, dickliche und pickelgesichtige Koreaner, die NICHT aus der Mode-, Design- oder Sonstwiekreativ-Ecke kommen, gibt es nicht!
Hurra!
Beim hippen Koreaner in Mitte dagegen zahlen die dummen Menschen, die dahin gehen, ziemlich genau das Doppelte. Dafür würde das Ambiente bessere Selfie’s für Instagram hergeben aber natürlich machen die Menschen keine Selfie’s da. Sowieso nirgendwo mehr. Sowieso noch nie gemacht.
Es ist wie mit den Kneipen in Berlin: Überall da, wo man schon an der Einrichtung sieht, dass sich einer dabei was anderes gedacht hat als „Tische und Stühle brauchen wir ja nun mal“, heisst’s nichts wie weg.

Empfehlungen für Berlin: Garantiert hipsterfrei

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Ostbahnhof Berlin. Man kann konnte kann (jetzt wieder nach dem Umbau) morgens um 7 ein belegtes Brötchen im Ostbahnhof kaufen. Für ungefähr 3,00 €.
Viel besser schmeckts aber hinter dem Ostbahnhof, für 75 Cent mit Käse oder Salami oder Ei belegt. Frische, knusprige Brötchen, keine labbrige Weichscheiße.

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Und dann der Schneider. Wenn man was zum Nähen hat, zum Beispiel wie ich eine schlechte, aufgegangene Naht an einem hochpreisigen Schickimickimantel, dann macht er es. Sofort, in einer Minute. Und dann sagt er auf die Frage, was es kostet, gib mir irgendwas Kleines. 2 Euro? ok. Natürlich hat er gesehen, was das für eine Marke war. Teurer Mantel. Aha. Kunde hat Geld. Trotzdem. Er hat seine Preise und fertig. Lange wirds das nicht mehr geben.