Mein Heim ist eine Höhle. Es ist warm, dunkel, riecht nach mir und überall um mich herum sind beschützende Wände nah. Dieses Konzept verstehe ich und halte es für natürlich.
Besuche fremder Heime beunruhigen mich. Die Hausherrin führt mich durch tür- und wandlose Räume, redet von Blickfluchten und weist auf die durchgehende Lichtdurchflutung hin, auf die besonders Wert gelegt worden sei beim Bau. Und es stimmt: Überall Glas statt Aussenwand, ich fühle mich wie nackt und im Scheinwerferlicht mitten in der Steppe stehend. Es ist eine Tortur und es wird bei der anschließenden Gartenbegehung nicht besser. Wo eben noch Grenzenlosigkeit als oberstes Prinzip herrschte, gilt hier Einhegung und Sichtschutz als vornehm. Alles erinnert an die Naturgestaltung in Modelleisenbahnlandschaften. Ausgerollte Rasenbahnen und einsame Setzbäume gibt es nicht mehr in diesen Heimen aber die gartenarchitektonische Anordnung wirkt genauso unbehaglich und hingestellt wie die Wohnlandschaften im Innern.
Es ist im übrigen keine gute Idee, der Hausherrin auf die Frage, ob das besichtigte Heim denn gefiele, ehrlich zu antworten, dass es super als Kulisse für Pornodrehs passen würde.