Johannes Kühn

Johannes Kühn

Kann der Kühn ja nix dafür, dass der Maas den gut findet. Findet der eben mal was Gutes gut. Ist doch gut.
Sind aber auch die schönsten Gedichte, die ich seit langem gelesen habe. Still und wortgewandt, melancholisch und einsam, traurig und erhebend.
Gefunden in Tabu 1 von Rühmkorf, lesen!

Michael Klonovski: Lebens-Werte

Deinhoff sagt: So ein Unsinn, Herr Klonovski, Ihr Loblied auf den Anzug:
„Früher, erzählte ihm (Joachim Fest, der Verf.) dieser (ein Hotelchef in Taormina, der Verf.) seien die Gäste im Smoking zum Dinner erschienen, in ihrem Auftreten sei alles Konvention gewesen, und die Besonderheit habe sich in den Gedanken und der Phantasie gezeigt. Heute gebe es die Verbindung von Regel im Äußeren und Unverwechselbarkeit im Wesen nicht mehr: »Die Dinge haben sich umgekehrt. Einer ist wie der andere. Aber zum Essen erscheint jeder im grotesken ›Relax‹. Das ist die ganze Individualität.«“.

Heute ist – und das wissen Sie genau – der Anzug (und nicht mehr die Jeans) ein Zeichen von Unkonventionalität. Und das Einstecktuch von Mosebach natürlich auch. Er und Sie müssten sich also zu Jeans und TShirt bekennen, um nicht durchs Äusserliche aufzufallen und also durch „Gedanken und Phantasie“ besonderen Eindruck machen zu können.

Gibt aber auch gute Geschichten in dem Büchlein, die über Wein und High Heels haben mir gefallen. Dass der Author inzwischen Frau Petry beisitzt, ist mir bei der Beurteilung der Geschichten völlig schnuppe.

Über den Unterschied zwischen Moral und Politik

„Wenn Sie meinen, die Suppenküchen könnten das Elend beseitigen, die Arbeitslosigkeit und die Ausgrenzung, steht für mich fest, dass Sie sich etwas vormachen. Wenn Sie meinen, humanitäre Aktionen könnten die Außenpolitik ersetzen und Antirassismus die Einwanderungspolitik, so bin ich gleichfalls überzeugt, dass Sie sich etwas vormachen. Moral und Politik sind zweierlei, sie sind beide notwendig, lassen sich aber nicht miteinander vermischen, ohne dass man aufs Spiel setzt, was beider Wesen ausmacht.“
Aus: André Comte-Sponville, Kann Kapitalismus moralisch sein?, Diogenes 2011, Kindle Edition (wie zitiert man eigentlich Seitenzahlen in Kindle Editionen?).

Ein schönes Buch, noch schöner aber sein Klassiker „Ermutigung zum unzeitgemäßen Leben“. Über die Tugenden hat noch nie jemand treffender, leidenschaftlicher, anregender geschrieben als Comte-Sponville.